Freie Software & die Bildung

HARDN’SOFTWARE über freie Software an Schulen und Universitäten


Um gleich vorweg eines klar zu stellen: Es wird hier von freier Software gesprochen, aber auch von Open Source. Den Unterschied kann man leicht im Internet finden und selbst ergründen. Es geht also um Software, die man frei und gratis erhalten kann und manchmal auch selbst erweitern, verbessern und anpassen. Große Veteranen die es geschafft haben als frei erhältliche Software auch unter Normalverbraucher sich einen Namen zu machen, sind als Beispiel Firefox, Ubuntu, oder auch WordPress, Gimp, Thunderbird, VLC, OwnCloud, Inkscape, Blender, VirtualBox und LibreOffice, um einige zu nennen, die mit großer Wahrscheinlichkeit auf einem Computer in ihrer Nähe läuft. Und mit letzterem, beginnen wir auch.


LibreOffice gegen nur „Office“

Ein Wort, dass in unserem Wortschatz bereits tief verankert ist, ist das Wort „Office“. Es bedeutet nicht anderes als Microsoft Office – also das Paket um Word, Excel, Powerpoint und so weiter. Einst waren sie der Vorherrscher, es gab zwar immer Alternativen, aber da man meist Microsoft Windows nutzte, war auch der Weg zu Microsoft Office nicht weit. Wie so oft in der Welt der freien Software, hat auch LibreOffice „quasi“ einige Vorfahren – OpenOffice, Apache OpenOffice, StarOffice… die Codebasis dürfte heute aber nur mehr wenig miteinander zu tun haben. Heute ist LibreOffice von einer gemeinnützigen Organisation namens „The Document Foundation“ geführt, die durch Unterstützer und Spenden das Paket immer weiter entwickeln und verbessern. Durch die typischen Probleme bei gemeinschaftlich gepflegter Software, ist LibreOffice nicht so weit wie es sein könnte, aber dennoch ist es seit etlichen Jahren eine wunderbare Alternative. Und das ohne einen Euro zu kosten.


LibreOffice Writer, mit dem schicken Thema „Sifr“


Warum also verwendet man es nicht?

Einerseits natürlich, weil man es nicht kennt. Ein Laie sucht im Internet nach Stichwörtern die er schonmal gesehen hat, Microsoft kommt ihm wohl schon bekannter vor als jegliche andere Firmen. Womöglich hat man ihm auch empfohlen, zum Marktführer zu greifen. Doch seien wir uns ehrlich: Der normale Nutzer braucht kein Office Paket um über 100 Euro. Man schreibt einen Brief, oder baut ein paar Bilder zusammen zum ausdrucken. Tabellen sind auch schon eher was für erweiterte Nutzer. Also sehr oft kein Bedarf für ein großes, teures Office Paket. Wir wären aber nicht in einer Werbung verseuchten Gesellschaft, würde man dieses Denken nicht schon viel früher aus der Welt schaffen wollen.


Willkommen Lehrer und Studenten!

Es waren die Angebote, die mich auf das hier aufmerksam machten. Die LehrerInnen/ProfessorInnen und SchülerInnen/StudentInnen erhalten teilweise große Rabatte auf Software, Hardware und Abonnements. Was bedeutet das? Man bindet schon von vorhinein die Schüler und Studenten, indem man ihnen etwas entgegenkommt. Man gewöhnt sich dran und irgendwann, wenn man mit dem Studium dann fertig ist, kauft man sicherlich noch ein paar mal im restlichen Leben ein Office Paket, oder entscheidet sich wie heute immer üblicher, für ein Abonnement. Schönes Marketing, oder? Denn sehr viele Studenten würden aufgrund der oft nicht so tollen finanziellen Lage, zu günstigeren Alternativen greifen. Aber das ist noch nicht alles. Auch die Lehrer verwenden das Paket, was wiederum bedeutet, dass die Schüler und Studenten damit kompatibel sein müssen. Also wieder nichts mit günstigen Alternativen, solange der Lehrkörper nicht aktiv angehalten wird, etwas anderes zu verwenden.

Auch hier muss fairerweise gesagt werden, dass es Funktionen gibt, die mit LibreOffice nicht (oder noch nicht) verfügbar sind. Also wäre es Fall zu Fall abzuklären, ob das tatsächlich als Alternative möglich wäre. Dennoch bleibt für einen sehr großen Teil die Frage, was einem die Universität (als Beispiel) bieten kann. Rabatte auf ein Produkt? Wenn man bedenkt, dass Universitäten über Jahrhunderte den Fortschritt und die Wissenschaft nach vorne getragen haben, dann ist es zumindest für mich ein kleines Armutszeichen, wenn man sich doch noch kaufen hat lassen. Wie erwähnt, gibt es keinen Mangel mehr an Alternativen, sondern nur ein gewisse Bequemlichkeit und womöglich auch „Zuwendungen“ oder „Gratis Versionen“, die einen wegsehen lassen.

Also einfach verwenden?

Die kurze Antwort lautet: Ja! Aber nicht nur das. Auch fördern. Das, was Universitäten eigentlich mit auszeichnet. Auch wenn man selbst keine Programmierer im Hinterzimmer hat, so kann man mit anderen Universitäten zusammenarbeiten und das Produkt an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Die eingesparten Lizenzkosten, würden in einer jährlichen Spende an die „The Document Foundation“ sicherlich dafür sorgen, dass LibreOffice in den kommenden Jahren noch weiter verbessert werden würde. Und da kommt auch der Grundgedanke durch – denn das kommt nicht nur der Universität zugute, sondern jeder anderen Universität, jedem Studenten, jedem normalen Bürger – alle, die LibreOffice verwenden. Besser so, als eine grandiose Werbekampagne eines Großkonzerns zu sein. Immerhin erzieht man jeden einzelnen Studenten somit in dieses Schema. Alternativen werden einem vorgegaukelt, da man sie fast unnutzbar macht. Manchmal werden diese sogar als wertlos abgestempelt, weil sie nichts kosten. Doch das stimmt nicht: Es kostet ein paar Minuten nachdenken.

Und als Denkhilfe gibt es einen Link: LibreOffice – https://de.libreoffice.org/


Ist das das neue MacOS Design?

John Ive würde sich im Grabe umdrehen, wäre er denn schon tot. Aber nein, es handelt sich um die von Canonical entwickelt und gepflegte Linux Distribution „Ubuntu“. Das Wort heißt „Menschlichkeit“, das Wort davor, also Distribution, beschreibt am ehesten eine Zusammenstellung rund um Linux. Da man gerne von Linux redet, aber Linux an sich nicht verwendbar ist (für etwa 99.99% der Erdenbürger), gibt es zum Beispiel Debian, auf das wiederum Ubuntu aufbaut. Auf Ubuntu bauen wiederum andere Distributionen auf, wie Ubuntu MATE, oder auch Elementary OS. Ob einem das was sagt oder nicht, es handelt sich einfach um Betriebssysteme, die meistens anders aussehen, sich etwas anders bedienen lassen und auch andere Programme beinhalten können. Im Sinne der Standardisierung, bleibe ich aber bei Ubuntu. Alle haben aber eines gemein: Sie benutzen den Linux Kernel. Dieser sorgt dafür, dass die Software mit der Hardware kommuniziert, ob das ein Tastendruck oder ein Pixel am Monitor ist. Deshalb spricht man aber gerne von Linux als Betriebssystem. Was wie wir nun wissen, nur teilweise stimmt. Aber genug der Theorie.

Was machen sie in erster Linie, nachdem sie den Computer eingeschaltet haben? Warten, bis das Betriebssystem geladen ist. Okay. Aber welches Programm starten sie als erstes? Den Browser? Ja? Rufen sie Mails mit einem eigenem Programm ab? Schreiben sie was in Office? Designen sie oder schneiden sie Videos, bearbeiten Bilder?  Da wird es für viele schon eng. Vor allem, da die meisten Menschen tatsächlich nur den Browser öffnen, weshalb solche Konzepte wie das Chromebook auch funktionieren. Einen Großteil unserer Zeit verbringen wir im Browser. Dort können wir surfen, suchen, Bilder ansehen, Nachrichten schreiben, Videos gucken und was weiß ich. Also stellt sich wieder die Frage: Wie wichtig ist das Betriebssystem, das dahinter steckt? Seit man YouTube Videos auf dem Windows PC, am Mac, am iPad, auf Android, auf WindowsPhone, Chromecast, im Auto, direkt auf Fernseher und so weiter abspielen kann, spielt das Betriebssystem eine immer geringere Rolle. Natürlich wird es dringen gebraucht, aber die großen Unterschiede findet man heute in Form von Apps und Programmen, die Betriebssysteme an sich sind alle sehr gut und sehr gleich.

Jeder der sich genötigt fühlt einen Apple Computer zu kaufen sei hier ausgenommen, aber wenn wir von der Masse ausgehen, stehen wir wieder vor der Frage, ob es sich auszahlt in ein Betriebssystem zu investieren, das eigentlich nicht gebraucht wird. Wieder schieße ich gegen Microsoft – möchte man meinen – doch auch hier ist es oft nur das Problem, dass man selbst als erfahrener Benutzer Windows empfiehlt, da man einfach nichts anderes kennt. Das dumme ist, dass man als erfahrener Nutzer oft Programme nutzt, die nur unter Windows laufen. Doch wieder vom Normalnutzer ausgehend, benötigt man in erster Linie die Möglichkeit, einen Browser zu öffnen. Das soll wiedermal über 100 Euro wert sein?


Ubuntu_13.04_Desktop

Ubuntu Linux, direkt nach einer frischen Installation


Linux Betriebssysteme sind allgegenwärtig: Die meisten Internetserver laufen damit, die meisten Handys und etliche Spezialsysteme wie Autos, Kühlschränke, oder Uhren. Selbst große Börsen haben ihren Kern in einem Linux System. Weil es Open Source ist, weil man es selbst anpassen kann. Direkt an die Hardware die man verwendet. Direkt an ihre Bedürfnisse. Aber vielleicht fragt man sich mittlerweile: Was hat das mit der Bildung zu tun?


Proprietäres Denken

Natürlich, wir haben in unserer Gesellschaft größere Probleme. Immerhin muss man endlich mal logisch erklären wie es denn gehen soll, dass die Wirtschaft Jahr für Jahr weiter wachsen muss. Oder, was der Vorteil von Kapitalismus ist, für die restlichen 90 Prozent. Einen tieferen Sinn kann man in meinen Worten natürlich finden, wenn man will. Immerhin schwächt man die Software-Riesen etwas, jedes mal, wenn man kein neues Betriebssystem oder Office kauft. Der Feind ist hier aber eher in der Gewohnheit und Gemütlichkeit zu finden. Immerhin begleiten uns manche Firmen und so manche Software schon über Jahre oder Jahrzehnte. Die Vielfalt sollte gelehrt werden, nicht nur der eine Weg, weil er einfach ist. Das geht nicht nur die Bewegung um Open Source und freie Software was an, sondern betrifft uns alle als Menschen, weil es auch eine Charaktereigenschaft sein sollte. Man stelle sich vor, man hat ein Problem oder sucht eine bessere Lösung für etwas. Also geht man her und schreibt ein paar Zeilen Code, lässt dadurch das Problem verschwinden. Dann reicht man den Code in die Community und plötzlich wird überall das Problem gelöst – für jeden Nutzer der Software. Ist das nicht ein schöner Gedanke?

Dieses Denken sollte gelehrt, verbreitet und auch praktiziert werden. Die Ironie ist, dass gerade diese Leute, die am wenigsten über Sachen wie diese nachdenken, den Leuten nachlaufen, die einen anderen Weg gegangen sind. Siehe Paradebeispiel Steve Jobs, aber auch Elon Musk, Bill Gates und Mark Shuttleworth – seines Zeichen der Gründer von Canonical und Schöpfer von Ubuntu. An Universitäten und Schulen (vor allem Schulen, da man oft sowieso kein Geld hat) sollte also wirklich darüber nachgedacht werden – anstatt wiedermal einen Haufen Geld für Softwarelizenzen auszugeben – ob es nicht reichen würde, wenn man Ubuntu und LibreOffice anbietet. Ubuntu ist sicher, schnell und einfach zu bedienen. LibreOffice hat alle wichtigen und auch eine Menge unwichtige Funktionen. Und eines haben sie gemeinsam: Sie sind frei verfügbar. Für jeden. Überall.

Das Denken an sich ändert sich zum Glück immer weiter, immerhin wurden bereits Städte in der Verwaltung auf Linuxsysteme umgestellt und auch einzelne Schulen versuchen das Experiment. Und umso mehr Leute sich interessieren, desto schneller wird es eine Zukunft geben, in der man weniger von nur einer großen Firma abhängig sein wird. Der Schlüssel ist wohl Interesse, Neugierde und auch Gemeinsamkeit.

Hier noch der Link zu Ubuntu: Ubuntu Linux http://www.ubuntu.com/ (Installations-DVD unter Download/Desktop erhältlich)


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