Der Nicht-Standard Open Source

HARDN’SOFTWARE über die offenen Probleme von Open Source


Open Source Software ist doch etwas wunderbares. Denn man erhält dabei oft ein Stück Software gratis. Außerdem kann man – wenn man es tatsächlich auch kann – das Programm weiter an seine eignen Bedürfnisse anpassen. Dies fließt manchmal auch wieder zurück in den ursprünglichen Code und verbessert die jeweilige Software wiederum. Also, was ist das Problem?


Open Source Software

Mittlerweile gibt es wirklich einen großen Haufen Open Source Software. Man kann sogar sagen, dass man keine Software mehr kaufen muss, um einen Computer zu verwenden. Ubuntu als Betriebssystem, Firefox zum Internet surfen, Thunderbird für Emails, Gimp für Fotobearbeitung, Libre Office für Schreib- & Officearbeiten und selbst im Internet (wie auch diese Webseite und etwa 25 % der Webseiten Weltweit) baut man auf Systeme wie WordPress auf, die einem schnell und einfach dabei helfen, eine Homepage zu erstellen. Alles frei und gratis. Die anderen Probleme die damit einher gehen – wie Gewohnheit der Menschen und übermächtige Konkurrenz – möchte ich hier nicht weiter erörtern.


Standardisierung als doppelter Feind

Standards sind doch etwas gutes. Oder? Ja. Und nein. Einigen wir uns auf: Es kommt darauf an. Man will ja gerne anders sein, weshalb viele auch die Möglichkeit nutzen, Software an eigene Bedürfnisse anzupassen. Daraus entsteht oft eine wunderbare Vielfalt, die leider nicht immer gut ist.

Man stelle sich einfach vor, eine Firma bringt eine Software raus. Nennen wir sie „Trippu“ (einfach gerade erfundenes Wort). Trippu soll viele Menschen erreichen und damit auch Geld machen. Also stürzt man sich natürlich auf die Windows Plattform, da hier Standards herrschen, die von Windows 7 bis Windows 10 erlauben, das Programm ohne große Probleme laufen zu lassen. Das Installieren ist relativ leicht und eine Marktdominanz von etwa 85 Prozent ist auch hilfreich.

Dann möchte man Trippu auch am Mac laufen lassen, da viele junge „hippe“ Menschen Trippu gut gebrauchen können und etwa 9,5 % des Marktes arbeiten damit. Auch hier kann man Standards nutzen, welche sich bis zum Vertriebsweg (Store) hin strecken, was in Windows erst mit Windows 8 eingeführt wurde.

Dann kommen wir zu den knappen 1,5 Prozent Linux User. Alleine der Prozentsatz am Markt lässt einen daran zweifeln, dass man damit jemals das aufgewendete Geld wieder einspielen kann. Das ist einer der Gründe, warum man kaum für Linux entwickelt. Noch dazu ist die Linux Gemeinde dafür bekannt, in erster Linie kein Geld für Software auszugeben.

Und was hat das nun mit Standards zu tun? Die Vielfalt der Linux Distributionen macht es Firmen nicht immer leicht, alle zu bedienen. Zum Glück gibt es eine Basis wie Debian und/oder Ubuntu, auf die viele weitere aufsetzen. Aber es wird dann wiederum differenziert und aus der Basis Debian entstanden dann hunderte Distributionen, die verschiedene Oberflächen mit verschiedener Paketverwaltung und verschiedener Displayserver und was auch immer verwenden. Da verwundert es kaum, dass als Beispiel Grafikkartenhersteller nur halbherzig an Linuxtreiber arbeiten, da es ein großer Aufwand für wenig Leute ist.


 OpenSource

Open Source Software, die man kennt und nutzt


Forken für den Stolz

Das Wort Forken (englisch für Gabeln) bedeutet einfach nur, dass aus einer Basissoftware, mehrere verschiedene Versionen davon weiterentwickelt werden. So entstanden aus Debian Linux bisher hunderte Distributionen (wovon auch viele wieder begraben wurden), die immer etwas eigenes oder tolles oder schönes erreichen wollten. Viele Millionen Stunden an Arbeit, die kombiniert wohl das beste Betriebssystem aller Zeiten ergeben hätten.

Doch es scheint, als ob der Stolz manchmal im Weg steht – wegen Kleinigkeiten werden oft verschiedene Wege gegangen und aus ein Community mit 10 Leuten, werden plötzlich zwei Communities mit 5 Leuten, die jeweils am eigenem Produkt weiterarbeiten. Manchmal läuft das gut, wie im Falle von LibreOffice was von OpenOffice abgespalten wurde, was wiederum von SunOffice abgespalten wurde. Doch insgesamt gesehen bringt man dadurch sehr viel „halbgare“ Software auf den Markt. Also im schlimmsten Fall zwei halbfertige Versionen von dem eigentlich selben Programm. Man unterscheidet sich oft wirklich nur in einzelnen Funktionen, manchmal aber auch an der kompletten Grundausrichtung.

Immer wieder kommt es auch zu Streitereien, die genauso zu einem zerreißen von vorhandenem führt. Logisch dass dadurch weniger erreicht wurde, als eigentlich möglich gewesen wäre.


Schwierige Lösung

Es ist einfach zu sagen (aber schwierig umzusetzen), dass man kurzum zusammen an Projekten arbeiten sollte und nicht ständig einen eigenen Weg gehen. Dadurch erreicht man bereits eine Art „Standardisierung“. Schon alleine, weil ein und das selbe Programm über mehrere Betriebssysteme/Distributionen funktioniert und eingesetzt wird. Dem Problem entgegen steht als Beispiel Google mit Chrome – hier hat man die Möglichkeit „Apps for Chrome“ zu schreiben, die überall laufen, wo auch Chrome läuft. Verfahren wie diese werden immer stärker – wie mit Unity oder Vulkan für Spiele, und natürlich Java für Anwendungen – das Betriebssystem wird immer unwichtiger.

Den Standardnutzer interessiert es sowieso nicht welches System er verwendet, solange er seine Sachen erledigen kann. Das Zauberwort heute: Apps. Gute Apps und Software. Aber genau da hat Linux auch den Kampf fast verloren – auch wenn man nach wie vor hofft, eines Tages den Desktop zu erobern. Man verbaut sich selber den Weg, weil man streitet oder was anderes möchte und jeder irgendwie sein eigenes Süppchen kocht. Als Beispiel Wayland, der neue Displayserver der bald Standard werden soll. Als Beispiel Vulkan, das endlich fertiggestellt wurde. Als Beispiel das Gnome Softwarecenter. Systemd. Ubuntu Unity und was weiß ich noch. Man hat nichtmal einen vernünftigen vorinstallierten Kalender, aber dafür ein paar Projekte für Kalender-Apps, die allesamt noch nicht vernünftig zu verwenden sind.

Hätte man etwas Stolz über Board geworfen und sich mutig auf einen Standard geeinigt, wären wir bereits um Jahre voraus. Natürlich wäre es langweiliger, klar. Jeder würde Ubuntu mit Wayland verwenden, das Softwarecenter wäre voll mit allem was das Herz begehrt. Vulkan bringt die neuesten Spiele auch auf Linux, vielleicht wären auch große Firmen wie Adobe dann an Ubuntu interessiert. Aber es wäre langweiliger. Langweiliger, da die Community um Linux gerne bastelt. Gerne Problemen auf den Grund geht.

Aber vielleicht ist auch genau das der Grund, warum Open Source es oft so schwer hat. Weil man es schlicht eigentlich nicht möchte.


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